Demenz oder nur eine Nebenwirkung?


Verwirrtheit im Alter
Demenz oder nur eine Nebenwirkung?
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Wenn alte Menschen verwirrt oder vergesslich sind, wird das schnell auf eine Demenz geschoben. Tatsächlich stecken manchmal nur Nebenwirkungen von Medikamenten hinter den Symptomen.

Medikamentenliste durchgehen

„Kognitive Leistungsminderung“ nennen Ärzt*innen es, wenn bei älteren Menschen das Denkvermögen nachlässt. Dahinter verbergen sich unterschiedliche Symptome wie Konzentrationsstörungen, ein nachlassendes Gedächtnis, eine geringere Aufmerksamkeit oder sogar Bewusstseinsstörungen. Dann ist es durchaus ratsam, eine mögliche Demenz abzuklären. Manchmal genügt es aber schon, gemeinsam mit der Hausärzt*in die verschriebenen Medikamente durchzugehen. Denn auch diese können für die Leistungsminderung verantwortlich sein.

Im Alter besonders anfällig für zentralnervöse Nebenwirkungen

Warum das so ist, erklärt Gereon Nelles vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte: „Menschen im höheren Lebensalter sind gegenüber Nebenwirkungen im zentralnervösen System besonders empfindlich, weil sich im Alter häufig der Stoffwechsel im Gehirn verändert.“ Besonders häufig kommt das beispielsweise vor bei

  • freiverkäuflichen Sedativa gegen Schlafstörungen mit den Wirkstoffen Diphenhydramin und Doxylamin
  • Benzodiazepinen wie Diazepam, die zum Beispiel bei Angst oder zur Beruhigung verordnet werden
  • Anticholinergika, die auf das zentrale Nervensystem wirken, zum Beispiel gegen eine überaktive Blase.

Nicht immer gibt es eine Alternative

Doch was tun, wenn ein Medikament für die nachlassende Denkleistung verantwortlich ist? Im besten Fall findet die behandelnde Ärzt*in eine gleichwertige Alternative, die die Patient*in besser verträgt. Wird das Ursprungsmedikament abgesetzt, sollten die Leistungseinbußen auch wieder verschwinden. Gibt es keinen Ersatz und das Medikament ist unverzichtbar, sollten Patient*innen und Angehörige zumindest über die Nebenwirkungen aufgeklärt werden. Das ist auch deswegen wichtig, weil durch die kognitiven Einschränkungen die Sturzgefahr steigen kann.
Ist die Verwirrtheit keine Nebenwirkung von Medikamenten, steht der Gang zu einer Neurolog*in an. Denn je früher die Ursache gefunden wird, um so schneller kann auch die Behandlung beginnen.

Quelle: Neurologen und Psychiater im Netz

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