Sanfte Hilfe bei Dreimonatskoliken


Nutzen Probiotika, Fencheltees und Co?
Vater mit unruhigem Säugling. Bei Draimonatskoliken finden Babys oft nicht in den Schlaf.
Konstantin Tronin/Shutterstock.com

Stundenlanges Schreien, ohne dass die üblichen Mittel wie Stillen oder der Schnuller helfen – Dreimonatskoliken sind für Eltern eine große Herausforderung. Welche Methoden der Komplementärmedizin am besten helfen, haben nun englische Wissenschaftler*innen untersucht.

Behandlung ist nicht zwingend notwendig

Dreimonatskoliken beginnen meist in der zweiten Lebenswoche und halten drei bis fünf Monate an. Typisch ist, dass betroffene Babys vermehrt schreien und sich weder durch Stillen oder Füttern, noch durch den Schnuller beruhigen lassen. Im Gegenteil: Häufig verschlimmert das Anlegen oder Füttern die Situation. Was genau Dreimonatskoliken auslöst, ist unbekannt. Einiges deutet zwar darauf hin, dass Bauchkrämpfe Schuld an den anfallsartigen Schreiattacken sind, belegt ist das jedoch nicht. Eine gezielte Behandlung ist daher schwer und – aus medizinischer Sicht – auch nicht notwendig.

Komplementärmedizin bei Dreimonatskoliken?

Für Mütter und Väter sind die exzessiven Schreiphasen ihrer Schützlinge allerdings sehr belastend. Beliebt sind deswegen komplementärmedizinische Methoden wie homöopathische Mittel, Akupunktur, diverse Heilkräuter oder chiropraktische Therapien. Sie alle sollen die Schreidauer verkürzen. Englische Wissenschaftler*innen haben 16 frühere Studien analysiert, die verschiedene komplementärmedizinische Therapien untersucht hatten. Deren Ergebnis: Am besten wirken Probiotika, Fenchelextrakte (z. B. als Tee) und spezielle Verfahren aus der manuellen Therapie (spinale Manipulationen).

Das große Aber

Keine der 16 untersuchten Studien erfüllt jedoch alle Anforderungen an das wissenschaftliche Arbeiten. Dazu gehören z. B. eine ausreichend große Anzahl an Teilnehmer*innen oder eine objektive Messung der Ergebnisse. Einige Studien waren zudem nicht verblindet: die Eltern wussten also ganz genau, ob ihr Schützling eine Therapie erhielt oder nicht. Allein durch dieses Wissen kann das Ergebnis – bewusst oder unbewusst – verfälscht werden.

Auch die Studien, die sich mit Probiotika beschäftigt hatten, überzeugten die englischen Wissenschaftler*innen nicht gänzlich. Probiotika sind „gute“  Mikroorganismen, die sich im Darm des Menschen ansiedeln sollen. Da sie u.a. vor Dreimonatskoliken schützen oder die Beschwerden lindern sollen, finden sie sich immer häufiger in den unterschiedlichsten Babynahrungsprodukten. Ob Probiotika wirklich helfen, ist laut den Wissenschaftler*innen aber fraglich.

Quelle: Ärzteblatt

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